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Kegelhütiger Knollenblätterpilz (Amanita virosa)

Hut: Durchmesser 4-10 cm, jung halbkugelig und zunächst umschlossen von einer weissen, häutigen Hülle (Velum), später kegelig, im Alter konvex, jung weiss und klebrig, alt mit gelblichen Tönen und trocken, Rand lange eingerollt, Oberfläche kahl Lam

Wichtiger Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Vergiftung kontaktieren Sie umgehend den Giftnotruf.

Kegelhütiger Knollenblätterpilz (Amanita virosa) - reinweiß mit kegelförmigem Hut
Der Kegelhütige Knollenblätterpilz ist komplett weiß und tödlich giftig.

Beschreibung & Merkmale

Hut: Durchmesser 4-10 cm, jung halbkugelig und zunächst umschlossen von einer weissen, häutigen Hülle (Velum), später kegelig, im Alter konvex, jung weiss und klebrig, alt mit gelblichen Tönen und trocken, Rand lange eingerollt, Oberfläche kahl

Lamellen: weiss, dichtstehend, am Stiel nicht angewachsen

Sporenpulver weiss

Stiel: bis zu 15 cm lang, schlank, weiss, der häutige,glatte Ring ist vergänglich oder kann am Hutrand hängen bleiben.

Unter dem Ring ist der Stiel längsfaserig-schuppig, die Knolle ist keulig und von Resten der weissen, häutigen Hülle umgeben ( die jedoch im Boden stecken bleiben kann !)

Fleisch: weiss, Geruch im Alter süßlich (nach Kunsthonig)

TYPISCHE MERKMALE: weisser, hochgewachsener, spitzkegeliger Lamellenpilz mit häutig-zerfetzten Ring und einer von Hüllresten umgebenen, keuligen Knolle, Kunsthonig-Geruch

Vorkommen & Verbreitung

Juli bis September vor allem in Nadelwäldern, aber auch in Laubwäldern

Giftigkeit & Gefahren

Der kegelhütige Knollenblätterpilz enthält 1,2 bis 2,6 mg Amatoxin pro g getrockneten Pilz und verursacht das möglicherweise tödlich verlaufende Amatoxinsyndrom

Symptome

Magen-Darm-Symptome: Nach einer beschwerdefreien Zeit von (6)-8-12-(24) Stunden nach der Pilzmahlzeit kommt es zu einer schweren 6-9 Stunden anhaltenden Gastroenteritis mit choleraartigem Durchfall und Erbrechen. Erbrechen kürzer als 6 Stunden nach einer Pilzmahlzeit ist durch andere Giftpilze verursacht, die schlimmstenfalls zusätzlich zu amatoxinhaltigen Pilzen eingenommen wurden.

Stadium der Leberschädigung: nach dem Ende der Magen-Darm-Beschwerden kann nach einer kurzen Zeit der trügerischen Besserung 24 bis 48 Stunden nach der Pilzmahlzeit die Phase der Leberschädigung folgen mit einem Anstieg der Leberwerte; bei schweren Vergiftungen kann es zu Blutgerinnungsstörungen und Bewußtseinsstörungen durch Leberversagen kommen

LATENZZEITEN:

erste Magen-Darmprobleme 8 bis 12 Stunden (frühestens 6 und spätestens 24 Stunden) nach der Pilzmahlzeit. Leberenzymerhöhung 24-48 Stunden nach der Pilzmahlzeit mit maximalen Werten am 2. Bis 4. Tag.

Ausführliche Symptombeschreibung siehe Amatoxinsyndrom

Erste Hilfe

Jeder Fall mit Verdacht auf Verzehr von amatoxinhaltigen Pilzen sollte schnellstmöglich in ärztliche Therapie und nach dort eingeleitetem Erbrechen immer in einer Klinik weiter behandelt werden.

Ärztliche Therapie

siehe Amatoxinsyndrom

Verwechslungsgefahr

Die häufigsten Vergiftungen basieren auf Verwechslungen mit (siehe auch: Grünen Knollenblätterpilz)

essbaren, weisshütigen Champignon-Arten wie z. B.:

Dünnfleischiger Anischampignon (Agaricus silvicola)

Wiesen-Champignon, Feldegerling (Agaricus campestris)

Schafchampignon, Weisser Anischampignon (Agaricus arvensis)

Schiefknolliger Anischampignon (Agaricus abruptibulbus)

Diese unterscheiden sich durch ihre meist von Jugend an leicht rosa gefärbten Lamellen, die sich altersbedingt über schmutzigrosa nach dunkelbraun färben, während die Knollenblätterpilze immer weisse Lamellen behalten. Ausserdem besitzen die Champignons keine von weissen, lappigen Hüllresten gesäumte Knolle. Es gibt jedoch Champignon-Arten mit einem knolligen Stiel, z. B. Dünnfleischiger Anischampignon (Agaricus silvicola), Schiefknolliger Anischampignon (Agaricus abruptibulbus) !

Weitere essbare Pilze:

Mai-Ritterling (Calocybe gambosa);

Grosser Scheidling (Volvariella speciosa);

Rosablättriger Egerlingsschirmling (Leucoagaricus leucothites);

Seidiger Ritterling (Tricholoma columbetta);

Blaublättriger Weisstäubling (Russula delica);

Ockertäubling (Russula ochroleuca);

Frauentäubling (Russula cyanoxantha)

Innerhalb der Gattung Wulstlinge (Amanita) sind ebenfalls Verwechslungen möglich, sowohl mit anderen giftigen Arten, als auch mit essbaren Arten, wie z. B.

Rotbrauner Scheidenstreifling (Amanita fulva)

Synonyme & Bezeichnungen

Spitzkegeliger Knollenblätterpilz; Spitzhütiger Knollenblätterpilz; Kegeliger Wulstling; Amanita virosa

Destroying angel;amanite vireuse; Knollenblätterpilz spitzkegeliger;Wulstling kegeliger

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT

Pilze giftige; Pilze; Wulstlinge; Knollenblätterpilze; Amanita spp.; Pilzvergiftung lange Latenz;

Literatur & Quellen

Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985

Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991

Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999

Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978

Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994

Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197

Zilker Th: Intoxications par les champignons

aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999