Coprinus-Syndrom
Viele Pilze der Tintlings-Gruppe (mit Ausnahme des Schopftintlings) und Pilze aus anderen Gruppen können nach zusätzlichem Alkoholgenuß eine Alkoholunverträglichkeits- Reaktion verursachen.
Wichtiger Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Vergiftung kontaktieren Sie umgehend den Giftnotruf.
Giftigkeit & Gefahren
Viele Pilze der Tintlings-Gruppe (mit Ausnahme des Schopftintlings) und Pilze aus anderen Gruppen können nach zusätzlichem Alkoholgenuß eine Alkoholunverträglichkeits- Reaktion verursachen.
Betroffene Pilze siehe unter
Symptome
Vergiftungssymptome treten auf, wenn nach der Pilzmahlzeit Alkohol getrunken wird (bei genügender Aklkoholmenge auch vor der Pilzmahlzeit). Alkoholgenuß ist bis mindestens 24h in Ausnahmefällen bis 2-5 Tage nach der Pilzmahlzeit gefährlich;
die Symptome beginnen 20 Minuten bis 2h nach Alkoholaufnahme
und halten meist 3 bis 6 Stunden an (unter Umständen auch nach geringer Alkoholmenge wie in medizinischen Säften);
Die Betroffenen bekommen eine plötzliche Rötung der Gesichts-, Nacken- und teils auch Brusthaut und oft zusätzlich Schweißausbrüche und das Gefühl der Schwellung von Gesicht und Händen. Zusätzlich treten oft Übelkeit, Erbrechen, metallischer Mundgeschmack, Schwindel, schneller und selten unregelmäßiger Herzschlag auf. Bei schweren Verläufen klagt der Betroffene über Brustschmerzen, Atemnot, Pelzigkeit der Extremitäten, Schwäche und kann sogar verwirrt sein.
LATENZZEIT:
Ethanolgenuß bis Symptombeginn 30 Min. bis 2h
nach der Pilzmahlzeit; gefährliche Periode 1 Tag bis zu 2-5 Tage nach Pilzgenuß.
Erste Hilfe
Besteht der Verdacht, daß ein Coprinus-Syndrom vorliegen könnte, sollte der betreffende Patient bis zum Abklingen der Symptome klinisch überwacht werden. Nichtärztliche Hilfemaßnahmen sind nicht möglich, außer der strikten Alkoholvermeidung.
Medizinische Behandlung
PRIMÄRE GIFTENTFERNUNG: Eine Entfernung der Pilze über Erbrechen oder Magenspülung ist nicht angezeigt, zumal ja vorhandene Beschwerden zeigen, daß das Gift schon resorbiert ist. Gabe von Aktivkohle 20-40g ist möglich, um weitere Giftresorption zu verhindern, vor allem wenn die Pilzmahlzeit nicht viel länger als 1 Stunde zurückliegt.
BEOBACHTUNG: Bei den häufigeren leichten Verläufen ist außer klinischer Überwachung (mit EKG-Monitorüberwachung) keine spezielle Therapie nötig.
Bei schweren Symptomen sind Betarezeptoren-Blocker (z.B. Propranolol) gegen Tachykardie und Herzklopfen wirksam, wenn nötig leichte Beruhigungsmittel wie z.B. Diazepam. Bei Hypotonie ist Flüssigkeitsersatz und evtl. Katecholamingabe nötig.
ANTIDOTE: theoretisch sollte bei starken Beschwerden 4-Methylpyrazol wirksam sein um die Giftwirkung (Acetaldehydbildung) zu blockieren;
SEKUNDÄRE GIFTENTFERNUNG: der Alkohol und das Acetaldehyd könnten bei sehr schweren Verläufen durch Hämodialyse entfernt werden.
Synonyme & Bezeichnungen
Knotentintling; Coprinus erethistes; Coprinus insignis; Coprinus variegatus; Coprinus quadrifidus;
Coprine; Aminocyclopropanol; 1-Aminocyclopropanol; Acetaldehyd-Syndrom;
GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze; Pilze giftige; Pilzvergiftung kurze Latenz; Pilzvergiftungssyndrome;
Literatur & Quellen
Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991
Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999
Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978
Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994
Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197
Zilker Th: Intoxications par les champignons
aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999
Siehe auch: Alle Giftpilze | Vergiftungssyndrome