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Gyromitra-Syndrom

Aus der Gattung der LORCHEL (Gyromitra sp.

Wichtiger Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Vergiftung kontaktieren Sie umgehend den Giftnotruf.

Infografik: Gyromitra-Syndrom - Lorchelvergiftung
Das Gyromitra-Syndrom wird durch Gyromitrin verursacht.

Giftigkeit & Gefahren

Aus der Gattung der LORCHEL (Gyromitra sp.) sind drei

giftige Lorchel bekannt, die das Gyromitra-Syndrom

verursachen:

FRÜHJAHRSLORCHEL (Gyromitra esculenta); BISCHOFSMÜTZE

(Gyromitra infula) und der RIESENLORCHEL (Gyromitra gigas)

Auch HELVELA Sp., das GEMEINES GALLERTKÜPPCHEN (Leotia

lubrica), und der KRONENBECHERLING (Sarcosphaera crassa)

gelten als verdächtig das Gyromitra-Syndrom auslösen zu

können (6)

Durch trockenen und Kochen wird das Gift Gyromitrin in

seiner Konzentration vermindert, aber auch 2 maliges

Abkochen entgiftet die Pilze nicht sicher (5); die

Giftigkeit des einzelnen Pilzes ist je nach Witterungs- oder geographischen Lageverhältnissen sehr unterschiedlich (6)

Beim Kochen entweichen giftige Monomethylhydrazin-Dämpfe,

die auch beim Einatmen Vergiftungen hervorrufen können. (1)

Symptome

Die Beschwerden beginnen 6 bis 24 Stunden (selten bis 50

Stunden) nach der Pilzmahlzeit, oder 2-8 Stunden nach dem

Einatmen der Dämpfe beim Pilzkochen.

Als erstes treten plötlich Blähungen, Übelkeit, Erbrechen

und Bauchkrämpfe auf, die für 2 Tage anhalten. In schweren

Fällen kann es zu Flüssigkeits- und Salzverlust mit Schwäche und niederem Blutdruck kommen. Nach 24 Stunden kommt es in

leichten Fällen zu milder Erhöhung der Leberenzyme, in

schweren Fällen zu Bilirubinanstieg und hohen

Leberenzymwerten. In schweren Fällen kann es auch zur

Methämoglobinbildung und Blutauflösung (Hämolyse) kommen.

Während der Magen-Darm-Störungen können Schwäche und

Kopfschmerz auftreten, später in einigen Fällen auch

Koordinationsstörungen, Schwindel, Krampfanfälle und

Bewußtseinsverlust (6,8)

LATENZZEITEN: 5-12(-50) Stunden nach der Pilzmahlzeit; 2-8

Stunden nach Inhalation der Dämpfe beim Kochen (8)

Erste Hilfe

In jedem Fall nach Lorchelmahlzeit sofort 20-40g medizinale

Kohle geben und den Patienten in das nächste Krankenhaus

transportieren.

ÄRZTLICHE THERAPIE

PRIMÄRE GIFTENTFERNUNG: Falls noch kein Erbrechen

eingesetzte hat durch induziertes Erbrechen oder

Magenspülung Versuch noch vorhandene Pilze zu entfernen; auf jeden Fall medizinale Kohle und Laktulose alle 4-6 Stunden,

obwohl über enterohepatischen Kreislauf des Giftes nichts

bekannt ist. (8)

BEOBACHTUNG: bei Vergiftungsverdacht 2 Tage beobachten auf

Magen-Darm-Symptome, Leber-Enzym-Erhöhungen, Nierenfunktion

und Zentralnervensystem-Symptome.

ANTIDOTE: Vitamin B6 (Pyridoxin) 25mg/kg iv in 15-30

Minuten. Bei wieder auftretenden Zentralnervensystem-

Symptomen kann Pyridoxin wiederholt werden, aber die

Gesamtdosis darf 15-20g pro Tag beim Erwachsenen (8,9), oder 300 mg/kg beim Kind nicht überschreiten.

Synonyme & Bezeichnungen

Helvella-Syndrom; Gyromitrin; Mycetismus sanguinareus;

Methylhydrazin; Monomethylhydrazin; BISCHOFSMÜTZE; Gyromitra infula; RIESENLORCHEL; Gyromitra gigas; HELVELA Sp.;

GEMEINES GALLERTKÜPPCHEN; GALLERTKÜPPCHEN gelbgrünes; gelbgrünes Gallertkäppchen; Leotia lubrica;

Sarcosphaera crassa

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT

Pilze; Pilze giftige; Pilzvergiftung lange Latenz;

Pilzvergiftungssyndrome;

Literatur & Quellen

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für

Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher

Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985

2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia

Luzern 1991

3. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze

Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13.

Auflage 1999

4. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und

Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York

1978

5. Persom: Gyromitrin containing morels; EAPCT-Congress;

Marseil 1996

6. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC

Press 1994

7. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen

(Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197

8. Zilker Th: Intoxications par les champignons

aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris

1999

9. Hanrahan JP; Gordon MA: Mushroom poisoning JAMA 1984

Vol 251, No 8 S. 1057-1061

Siehe auch: Speisemorchel (Morchella esculenta) | Alle Giftpilze