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Orellanus-Syndrom

Viele Pilzarten der Gattung CORTINARIUS (Haarschleierlinge) verursachen das Orellanus-Syndrom, bei dem 2 bis 20 Tage nach der Pilzmahlzeit ein Nierenversagen auftritt; die Pilze sind frisch, getrocknet und gekocht gleich giftig (5).

Wichtiger Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Vergiftung kontaktieren Sie umgehend den Giftnotruf.

Infografik: Orellanus-Syndrom - Nierenversagen durch Cortinarius
Das Orellanus-Syndrom führt zu schwerem Nierenversagen.

Giftigkeit & Gefahren

Viele Pilzarten der Gattung CORTINARIUS (Haarschleierlinge)

verursachen das Orellanus-Syndrom, bei dem 2 bis 20 Tage

nach der Pilzmahlzeit ein Nierenversagen auftritt; die Pilze sind frisch, getrocknet und gekocht gleich giftig (5).

Vergiftungen mit dem Orellanussyndrom wurden berichtet mit

orangefuchsiger Rauhkopf (Cortinarius orellanus)

spitzbuckeliger Rauhkopf (Cortinarius rubellus)

Orellaninnachweis auch in goldgelber Rauhkopf (Cortinarius

gentilis) und anderen Cortinarien siehe

Symptome

Erst 36 Stunden nach einer Cortinarius-Pilzmahlzeit treten

erste unspezifische Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen

auf; die für diese Pilzvergiftung typische Nierenschädigung

zeigt sich anfangs mit Lendenwirbelsäulenschmerzen

(Nierenloge), dann zunehmendem Nierenschaden 2 bis 17 Tage

nach der Pilzmahlzeit; je früher die Nierenschädigung

beginnt, ein desto schwererer Nierenschaden ist zu erwarten; bei Beginn der Nierensymptome über 9-10 Tage nach der

Pilzmahlzeit treten nur milde Verläufe auf.

Symptome der Nierenschädigung sind Übelkeit, brennender

Durst, Harnflut oder wenig Urin und durch Urämie verursachte Übelkeit und Erbrechen; im Urin findet sich Blut und Eiweiß

im Blut ein Anstieg der harnpflichtigen Substanzen. Sonstige Beschwerden können sein Kopfschmerzen, Kältegefühl mit

Frösteln, vorrübergehende Gelenk- und Muskelscherzen und

leichte Leberenzymerhöhungen.

LATENZZEITEN: 36 Stunden bis 14 Tage.

Erste Hilfe

Bei Verdacht auf Pilzmahlzeit mit einer Cortinariusart,

sofort medizinische Kohle einnehmen (40g oder 1g /kg),

sobald möglich durch einen Arzt erbrechen auslösen lassen

und immer in ein Krankenhaus einweisen.

ÄRZTLICHE THERAPIE

PRIMÄRE GIFTENTFERNUNG: Falls der Patient innerhalb der

ersten Stunden zum Arzt kommt, sollte durch induziertes

Erbrechen oder Magenspülung noch versucht werden eventuelle

Pilzreste zu entfernen. Durch wiederholte Kohlegabe mit

Laktulose alle 4 Stunden sollte noch nicht resorbiertes Gift gebunden und über den Darm ausgeschieden werden, wenn dies

innerhalb 12 Stunden nach der Pilzmahlzeit möglich ist.

BEOBACHTUNG: Fall der Patient im beschwerdefreien Stadium in Behandlung kommt, sollte mit Hinzuziehung eines geprüften

Pilzexperten unter allen Umständen versucht werden die

gegessenen Pilze zu identifizieren (Putzreste, Pilzsuche am

selben Standort usw); die sichere Identifizierung des Pilzes ist vor allem wichtig, wenn noch keine Symptome einer

Nierenschädigung vorliegen, da dann eingreifende

Therapiemaßnahmen diskutiert werden müssen

SEKUNDÄRE GIFTENTFERNUNG: wenn noch keine Zeichen einer

Nierenschädigung vorliegen, ist bei gesicherter Einnahme

eines giftigen Orellanus Sp. innerhalb der ersten Woche nach Pilzmahlzeit eine Hämoperfusion zu diskutieren, um eventuell im Blut noch vorhandenes Gift zu entfernen (8,10); bei einem Vergiftungsverdacht unbedingt dastehrapeutische Vorgehen mit einer Giftnotrufzentrale absprechen.

Hämodialyse ist nur bei Niereninsuffizienz sinnvoll.

Diuresesteigerung und Diuretikagabe gelten als schädlich (8)

ANTIDOTE: Acetylcystein war in einem Fall bei schon beginnender Niereninsuffizienz wirksam in der Dosis für Paracetamolvergiftungen.

KONTRAINDIZIERTE ARZNEIEN: zu vermeiden sind Furosemid und

Phenobarbital, da diese Arzneien den Nieren-Tubulus-Schaden

verstärkten (8,9)

PROGNOSE: Bei 50% der Betroffenen bessert sich die

Nierenfunktion innerhalb weniger Wochen ohne besondere

Therapie; 30-45% benötigen eine Hämodialyse, manchmal nur

Wochen bis Monate, manchmal auf Dauer; die Nierenfunktion

kann sich auch nach Jahren noch bessern (8)

Synonyme & Bezeichnungen

blutblättriger Hautkopf; Hautkopf blutblättriger;

Cortinarius semisanguineus; red-gilled cort; dermocybe

semisanguinea; goldgelber Raukopf; Raukopf goldgelber;

Cortinarius gentilis; deadly cort; Zimthautkopf; Cortinarius cinnamomeus; zimtbrauner Hautkopf; Hautkopf zimtbrauner;

contrary cortinarius; Cortinarius atrovirens; Cortinarius

brunneofulvus; Cortinarius callisteus; Cortinarius

fluorescens; Cortinarius henrici; Cortinarius majusculus;

Cortinarius orellanoides; Cortinarius rainierensis;

dottergelber Klumpfuß; Klumpfuß dottergelber; Cortinarius

vitellinus; Cortinarius limonius; Cortinarius malicoris;

Cortinarius phoeniceus; Cortinarius splendens; Cortinarius

tophaceoides; Cortinarius veneosus; Haarschleierlinge;

Rauhkopf; spitzkegeliger Raukopf;

Klumpfuß; prächtiger Klumpfuß; Schöngelber Klumpfuß;

Schleierlinge; Orellanin;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT

Pilze; Pilze giftige; Pilzvergiftungssyndrome;

Pilzvergiftung lange Latenz;

Literatur & Quellen

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für

Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher

Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985

2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia

Luzern 1991

3. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze

Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13.

Auflage 1999

4. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und

Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York

1978

5. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC

Press 1994

6. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen

(Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197

7. Zilker Th: Intoxications par les champignons

aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris

1999

8. Rumack BH; Toll LC; Gelman CR: Mushroom-Orellan;

Micromedex, Inc., Englewood, Colorado 30.9.99

9. Schumacher T; Hoiland K: Mushroom poisoning caused by

species of the genus cortinarius fries; Arch Toxicol 53, 87-

106; 1983

10. Horn S; Jörg H; Horina MD; Günter JK; Holzer H;

Ratschek M: Endstage Renal failure from mushroom poisoning

with cortinarius orellanus: report of four cases and revew

of the literature. Am. J. kidney diseases, Vol 30, No2 1997

282-286

11. Calvino J; et.al.: Voluntary ingestion of cortinarius

mushrooms leading to chronic interstitial nephritis

Am J Nephrol 1998: 565-569

Siehe auch: Alle Giftpilze | Vergiftungssyndrome