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Latrodectus sp

Kugeliger Hinterleib mit kleinem Kopf-Bruststück.

Wichtiger Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Vergiftung kontaktieren Sie umgehend den Giftnotruf.

Schwarze Witwe (Latrodectus mactans) mit roter Sanduhrzeichnung
Die rote Sanduhr auf der Unterseite ist das Erkennungsmerkmal.

Beschreibung & Merkmale

Kugeliger Hinterleib mit kleinem Kopf-Bruststück. Körperlänge der ausgewachsenen Weibchen etwa 1-2 cm. Beine länger als Körper, dünn. Spinnen braun bis glänzend schwarz, wirken haarlos. Auf der Unterseite eine rötliche sanduhrförmige Zeichnung, evtl auch nur ein Dreieck, auch multiple Flecken oder fehlende Zeichnung möglich. Rücken häufig ganz schwarz, mit rotem Längsband, mehreren rötlichen Zeichnungselementen oder einem roten Strich oder Punkt an Anfang und Ende des Hinterleibs. Männchen klein mit häufig komplizierterer Zeichnung. Außerhalb des Netzes ungeschickte, hastige Bewegungen, tastet umher. (siehe auch: Phoneutria)

Netz ist ein unregelmäßiges Haubennetz mit vielen Stolperfäden, häufig in Bodennähe

Vorkommen & Verbreitung

od. eingeschleppte Tiere. Keine festen Populationen in

freier Natur. Aber bereits in Belgien und Frankreich

eingeschleppte Arten (L. geometricus, L. mactans) (2).

Viele Arten sind Kulturfolger und bauen Netze gerne in

und an Gebäuden.

haben alle neurotoxisches Gift

den und mind. 6h klin. überwacht werden;

einzelne Latrodectus-Arten unterscheiden sich durch die

Stärke der Symptomatik nicht durch die Art der Symptome;

Bisse enden auch unbehandelt selten tödlich, außer bei

Lungen- und Herzkranken, Alten und Kindern (7).

(früher als Unterarten von L.mactans z.B. L. mactans tre-

decimguttatus heute eigene Arten z.B. L. tredecimguttatus

1. die kleinen Männchen von Latrodectus sp gelten als

absolut ungefährlich (2)

2. 3 Arten: L.geometricus (10), L.pallidus + L.bishopi(4)      gelten als harmlos mit milden Symptomen

Toxin & Wirkmechanismus

Neurotoxine verursachen Massive autonome und neuromuskuläre Entladungen; Acetycholin und Katecholamine werden freigesetzt (1)

Über 20 Latrotoxine bisher im Proteingemisch gefunden. Alpha-Latrotoxin läßt Ca2+ in präsynaptische Neuronen strömen, daher Transmitterfreisetzung (Acetylcholin)(4).

Neurotoxin bindet sich an Glykoproteine und/oder Ganglioside an neuromuskulär-synaptischen Membranen und hält einen Ionen-Kanal für Kationene-Austausch offen; die verursachte Depolarisation den Ca++ abhängigen Ausstrom von Neurotransmittern und inhibiert die Wiederaufnahme (13)

Außerdem sind enthalten Phosphodieseterase, alk. Phosphatase Aminosäuren, Histamin, Peptidase, Insektentoxine, Protease, Serotonin, Kininase (2)

Symptome

Lokalsymptome mit Schmerz erst 0,5h (9) und schwere Symptome noch später, z.B. bei L.hasselti erst nach über 3h (11); die Symptome können unbehandelt tagelang anhalten(1), meist 24h

schmerzen im Abdominal-, Oberschenkel-, Brust- + Rücken-

bereich mit DD zu akutem Abdomen, Herzinfarkt

zuerst Erythem, Schwitzen, Piloerektion (9); meist erst

später Schmerzen (oft brennend), dann regional schmerz-

hafte LK-Schwellung (1); dann nach 0,5-3h ausstrahlende,

generalisierende Schmerzen, Üdeme (4);

später nach ca. 4 Tagen juckender Ausschlag möglich(2)

unerträgliche steigernde Muskelschmerzen mit Muskelfas-

zikulationen und -krämpfen, lebhaften Eigenreflexen,

Spasmen (v.a. im Abdominal-, Oberschenkel-, Brust- und

Rückenbereich), brettharte Bauchdecke (1), Opisthotonus,

Tremor (2); Parästhesien (Hände/Füße) (1), Krämpfe (11)

tur) (4);

Verwirrtheit, Ohnmacht(2)

sion, Arrhythmie (1); Schock; Muskelschmerz mit Ähnlich-

keit zu Herzschmerz bei Infarkt

Durchfall (11), selten Mundtrockenheit (2)

(2), Priapismus (1), später Impotenz über Monate (2)

tung mit Anstieg der Vanillinmandelsäure (2)

Speichel- und Tränenfluß (1,7), Schwindel, Koordinati-

onsverlust, Durst (11), Schwächegefühl mit Gehschwierig-

keiten (Orthostase?); Gesicht geschwollen + gerötet (1)

Medizinische Behandlung

bei Symptomen bis zu derem Abklingen

Synonyme & Bezeichnungen

Latrodectus 13-guttatus; Latrodectus antheratus; Latrodectus bishopi; Latrodectus cinctus; Latrodectus concinnus; Latrodectus corallinus; Latrodectus curacaviensis; Latrodectus diaguita; Latrodectus dahli; Latrodectus erythromelas; Latrodectus geometricus; Latrodectus geometricus obscurior; Latrodectus obscurior;  Latrodectus hasselti; Latrodectus hesperus; Latrodectus hystix; Latrodectus hystrix; Latrodectus incertus; Latrodectus indicus; Latrodectus indistinctus; Latrodectus karooensis; Latrodectus katipo; Latrodectus lugubris; Latrodectus mactans; Latrodectus menavodi; Latrodectus mirabilis; Latrodectus pallidus; Latrodectus quartus; Latrodectus renivulvatus; Latrodectus revivensis; Latrodectus rhodesiensis; Latrodectus rhodinensis; Latrodectus tredecimguttatus; Latrodectus variegatus; Latrodectus variolus; Latrodectus zickzack; Blasse Witwe; Schwarze Witwe; Braune Witwe; Rotrücken-spinne; Rote Witwe; Rotrückenwitwe; Weiße Witwe; Igelwitwe; Dahlwitwe; Curacaowitwe; Auferstehungswitwe; Rhodesische Witwe; Nördliche Schwarze Witwe; Button spider; Brown Button Spider; Black Button Spider; Zimbabwe Button Spider; Widow spider; Witwenspinne; Red widow; Brown widow; Black widow; Red legged Widow spider; Knoppie; Brown widow spider; Red-backed spider; Red back spider; Redback; Red-back spider; Black widow spider; Eigentliche schwarze Witwe; Europäische Witwe; Amerikanische Witwe; Malmignatte; Karakurt; Knopie; swart knopiespinnekop; bruin knopiespinnekop; Latrodectismus; Latrodectism; hourglass spider; northern black widow; Katipo; Karakurte; latrotoxin; LTX;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT

Spinnen giftige; Spinnen giftige Südamerika; Spinnen giftige Nordamerika; Spinnen giftige nekrotisierend; Spinnen giftige Europa; Spinnen giftige Asien; Spinnen giftige Afrika; Spinnen giftige Australien; Tiere giftige

Literatur & Quellen

(1) Junghanss, Th., Bodio, M.: Notfall-Handbuch-Gifttiere, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1996.

(2) Schmidt, G.: Giftige und gefährliche Spinnentiere, die neue Brehm-Bücherei 608, Westarp Wissenschaften, Magdeburg, 1993.

(3) Meier, J., White, J., Handbook of clinical Toxicology of Animal Venoms and Poisons, CRC Press, Florida, USA, 1995.

(4) Kunze, M., gefährliche Spinnen - eine aktuelle Zusammenfassung, Arachnologisches Magazin, Nr. 9, Sept. 1996, Nürnberg.

(5) Schmidt, G., Wie gefährlich sind Spinnenbißvergiftungen wirklich?, Natur und Museum, 117 (7), Frankfurt a. M., 1987.

(6) Kunze, M., Mitglied der AG Giftspinnen, mündliche Mitteilung, 12/98

(7) Minshull, J., Arachnids (2) - Button spiders, The Natural History Museum of Zimbabwe, 1993

(8) Leroy A., u.a., The Wildlife of Southern Africa, Southern Book Publishers, Western Cape, 1997

(9) Carbonaro, P., Janniger, C., Schwartz, R., Spider bite reactions, CUTIS Vol. 56, S. 256 ff., Nov. 1995

(10)Newlands, G., Venomous creatures of Southern Africa, Struik Publishers, Capetown, 1997

(11)Toxic plants and animals, Queensland Museum, Brisbane, Australien, 1987

(12) Diez Garcia F. et al.: Black widow spider (Abstr.) Med. Clinic. (Barc)  1996 Mar 9 106:9, 344-6

(13) Moss H.S. et al.: a retrospective review of black widow spider envenomations.  Annals of emergency med. 16:2 Feb 87

(14) Clark R.F. Clinical presentation and treatment of black widow spider: a review of 163 cases; Annals of emergency med. 21:7, Juli 1992

15. Malley GF; Dart RC; Kufner EF successful treatment of

latrodectism after 90 hours correspondenc Massachusetts

Medical Society 1999 Vol. 340, Nr.8

16. Graudins A et al.: evidence for red-back spider anti-

venom by other widow-spiders

EAPCT Kongreß Amsterdam 2000